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23. Dezember 2012

Nitecore EA4

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Generell bin ich kein Freund von Lampen, die mit vier AA-Zellen betrieben werden. Zu klobig, zu dunkel, kurze Laufzeit, hinterwäldlerische Stromversorgung – all das sind Dinge, die dagegen sprechen. Dementsprechend skeptisch war ich auch, als die Nitecore EA4 im Taschenlampen-Tests-Labor aufschlug. Doch hoppla – kein fetter, klobiger Knochen, sondern ein kompaktes Lämpchen, das noch dazu schnuckelig aussieht und gut in der Hand liegt – aber kann es auch etwas?


Verpackung/Lieferumfang:
In einem Pappkarton mit Plastik-Innenleben sind die Lampe, vier Batterien zum Betrieb, ein Ersatz-O-Ring, ein Holster, ein Lanyard, eine englischsprachige Bedienungsanleitung, eine Garantiekarte und eine kleine Werbebroschüre enthalten.

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Verpackung…

 

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…und Inhalt.


Beschreibung der Lampe/erster Eindruck:
Länge: 117,5 mm
Reflektoröffnung: 33,5 mm
Durchmesser Kopf: 40 mm
Durchmesser Tail: 41,8 mm
Gewicht: 157 g
Gewicht mit Akkus: 277 g
Anodisierung: HA III, gut und gleichmäßig ausgeführt.
Tailstand: ja.
Rollschutz: nein.
Befestigungsmöglichkeit für Lanyard: ja, Löcher in der Tailcap.
wasserdicht: ja, durch Praxistest geprüft.
Die Nitecore EA4 wirkt hochwertig verarbeitet. Alle Kontakte sind vergoldet, das Gewinde zur Tailcap läuft sauber und spielfrei, und die Lampe ist ein wahrer Handschmeichler. Zumindest für meine Hände könnte die Lampe sogar „Custom-Made“ sein, quasi eine „Lichtinsdunkel-Signature“-Lampe. Aber auch in etwas größeren oder kleineren Händen sollte die Lampe sich wunderbar anfühlen.

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Gewinde zur Tailcap.

 

 

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Materialstärke Batterierohr.

 

 

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Tailcap außen.

 

 

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Tailcap innen. Alle Kontakte sind vergoldet.

 

 

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Das Holster macht einen brauchbaren Eindruck.


Leuchteinheit:
Verbaut wurde eine Cree-XM-L-U2-LED. Der Reflektor ist ein SMO aus Aluminium, die Frontlinse besteht aus ultraklarem, anti-reflex-beschichtetem Mineralglas.

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Frontansicht.


Stromversorgung/Laufzeittest:
Betrieben werden kann die Lampe mit AA-Akkus/AA-Batterien. Zum Test wurden als Akkus LSD-Zellen von Sanyo verwendet, als Batterien Alkalines von Aerocell. Die Lampe wurde bei beiden Testläufen in der hellsten Stufe betrieben und durch einen Ventilator gekühlt. Da die EA4 etwa alle drei Minuten in den zweithellsten Modus schaltet, um eine Überhitzung der LED zu vermeiden, wurde sie unmittelbar nach jedem Herunterschalten wieder in der hellsten Stufe eingeschaltet, um die Laufzeit bei Maximalleistung zu verifizieren.

Laufzeitmessung Akkus (Sanyo Eneloop XX, 2.400mAh):
Beim Einschalten: 23.500 Lux
nach 5 Minuten: 23.100 Lux
nach 10 Minuten: 22.900 Lux
nach 20 Minuten: 22.700 Lux
nach 30 Minuten: 22.700 Lux
nach 40 Minuten: 22.600 Lux
Nach 50 Minuten wurden noch 11.000 Lux angezeigt, die Akkus entnommen und mit Leerlaufspannungen zwischen 1,05 und 0,97 Volt gemessen – Testende.

Laufzeitmessung AA-Alkaline:
Beim Einschalten: 23.500 Lux
nach 5 Minuten: 19.700 Lux
nach 10 Minuten: 17.300 Lux
nach 20 Minuten: 11.100 Lux
nach 30 Minuten: 2.000 Lux
nach 40 Minuten: 1.400 Lux
nach 50 Minuten: 1.100 Lux
Mehr wollte ich nicht wissen.

Schließlich durfte die Lampe mit den Eneloop-Akkus nochmal so antreten, wie sie wollte – ohne nach dem Herunterschalten wieder auf Maximalleistung zurückgeschaltet zu werden.

Laufzeitmessung Akkus (Sanyo Eneloop XX, 2.400mAh):
Beim Einschalten: 23.500 Lux
nach 5 Minuten: 14.300 Lux
nach 10 Minuten: 14.300 Lux
nach 20 Minuten: 14.300 Lux
nach 30 Minuten: 14.300 Lux
nach 40 Minuten: 14.300 Lux
nach 50 Minuten: 14.300 Lux
nach 60 Minuten: 14.300 Lux
nach 70 Minuten: 14.300 Lux
nach 80 Minuten: 14.400 Lux
nach 90 Minuten: 14.500 Lux
nach 100 Minuten: 14.600 Lux
Nach 106 Minuten begann die Lampe, dunkler zu werden. Nach 108 Minuten wurden noch 7.000 Lux angezeigt, die Akkus entnommen und mit Leerlaufspannungen zwischen 1,10 und 0,97 Volt gemessen, Ende des Tests.

Fazit: Die Lampe ist mit Akkus sehr ordentlich geregelt. Der Verlust gegenüber der Maximalleistung liegt bis kurz vor Ende der sinnvoll nutzbaren Akkukapazität bei weniger als zehn Prozent. Im High-Modus ist die Regelung bis kurz vor Ende sogar perfekt. Allerdings sollten die Akkus bei sichtbar dunkler werdender Lampe auch baldigst gewechselt werden, da die Lampe keine Abschaltung hat.
Wie nicht anders zu erwarten, ist der Betrieb mit Alkali-Batterien nur eine Notlösung, da die Batterien von der Leistung schnell einknicken.
Ohne Kühlung wird die Lampe mehr als muckelig warm, ein Dauerbetrieb in der hellsten Stufe durch die Umgebungsluft beim Bewegen und die Kühlung durch den Blutkreislauf ist sicherlich möglich; das Herunterschalten der Lampe hat aber durchaus seine Berechtigung.
Wenn die Lampe herunterschaltet, muss man sich nicht erst durch sämtliche Modi klicken, um sie wieder in der hellsten Stufe betreiben zu können, es reicht ein einfaches Antippen des Tasters – eine sinnvolle Lösung, wie ich finde, da die Lampe sich durch das Herunterschalten selbst vor falscher Bedienung (Nutzung als „Kerze“ in der hellsten Stufe, Nutzung ohne jegliche Kühlung) schützt und das Wiedereinschalten in der hellsten Stufe so simpel wie möglich gehalten wurde.
Gegen verkehrtes Einlegen der Batterien/Akkus ist die Lampe mit einem Verpolungsschutz ausgestattet. Generell ist der Wechsel der Stromversorger im Hellen kein Problem. Im Dunkeln kann dies allerdings in Gefummel ausarten, da die beiden Pinnchen in die entsprechenden Löcherken gefuckelt werden müssen – hier ist eine zusätzliche Lampe hilfreich, was die alte Flashaholic-These bestätigt, dass man nie genug Lampen haben kann.

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Alkali-Batterien sind auch bei der EA4 nur eine Notlösung.

 

 

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Vier AA-Zellen versorgen die Lampe mit dem nötigen Strom.

 

 

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Im Dunkeln gestaltet sich der Wechsel der Stromversorger ein wenig fummelig, da die Pinnchen in der Endkappe beim Zuschrauben in die Löcher im Body eingeführt werden müssen.


Bedienung:
Hier wird es gleichzeitig kompliziert und einfach. Die Bedienungsanleitung umfasst zwei Seiten, und die braucht es auch, bis man die EA4 komplett verstanden und durchschaut hat. Dann allerdings geht die Bedienung wie im Schlaf von der Hand. Sie ist anders, aber nicht wirklich kompliziert.

Die EA4 verfügt über zwei Bedienebenen. In Ebene 1 (von Nitecore „Daily-Mode“ genannt) können die Leuchtstufen „Lower“, „Low“, „Mid“ und „High“ und „Turbo“ angewählt werden, in Ebene 2 die Leuchtstufen „Turbo“ und „High“.
Ebene 1 wird durch kurzes Antippen des Tasters angewählt. Bei jedem weiteren Antippen schaltet die Lampe durch die Helligkeitsstufen. Die Schaltreihenfolge ist Lower-Low-Mid-High. In dieser Ebene verfügt die Lampe über Memory; die vor dem Ausschalten aktivierte Helligkeitsstufe steht entsprechend beim nächsten Einschalten wieder zur Verfügung. Wenn der Taster bei eingeschalteter Lampe bis zum Druckpunkt gedrückt gehalten wird, wechselt die Lampe in den Turbo-Modus. Dieser wird allerdings nicht gespeichert. Durch Antippen kehrt man in die davor akrivierte Leuchtstufe zurück. Momentlicht ist durch Antippen und Halten des Tasters für die Dauer des Durchgedrückt-Haltens möglich.
Ebene 2 (von Nitecore „Turbo/Search-Mode“ genannt) wird durch komplettes Durchdrücken des Tasters erreicht. In dieser Ebene startet die Lampe immer im Turbo-Modus, durch Antippen des Tasters kann zwischen Turbo und High gewechselt werden. Momentlicht ist durch Durchdrücken und Halten des Tasters für die Dauer des Durchgedrückt-Haltens möglich. Ausgeschaltet wird die Lampe in beiden Ebenen per Durchdrücken des Tasters.

Darüber hinaus gibt es die drei Blinkmodi Strobe, SOS und Location-Beacon, die aus beiden Ebenen angewählt werden können. Das funktioniert wie folgt: Wenn bei eingeschalteter Lampe ein Doppelklick ausgeführt wird, gelangt man in den Strobe-Modus. Durch Antasten und Halten wechselt die Lampe zunächst nach SOS-, danach auf Location-Beacon. Antippen oder Durchdrücken des Tasters schaltet die Lampe aus den Blinkmodi heraus aus.
Während des Betriebs zeigt eine blaue LED im Schalter (Taster) den ungefähren Ladezustand der Stromversorger an. Bei durchgängig leuchtender LED liegt er bei mehr als 50 Prozent. Blinkt die LED einmal innerhalb von zwei Sekunden, liegt er bei unter 50 Prozent, und wenn die LED schnell blinkt, sollten die Stromversorger bald gewechselt werden.
Zunächst greift diese Art der Anzeige nur im hellsten Modus. Heißt: Schwindene Akkukapazität wird durch einmaliges bzw. dauerhaftes Blinken zunächst nur im hellsten Modus angezeigt. Wenn die Kapazität weiter sinkt, blinkt die Anzeige auch im nächst schwächeren Modus, usw., bis sie auch im dunkelsten Modus einmal innrhalb von zwei Sekunden oder dauerhaft blinkt.
In der Praxis bedeutet das, dass die Anzerge zwar nicht sonderlich genau auf die Restkapazität der Stromversorger schließen lässt, aber dennoch eine sinnvolle Hilfe darstellt.

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Die Lampe kann sowohl in einer nicht-taktischen…

 

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…als auch in einer taktischen Haltung bedient werden.

 

Bei ausgeschalteter Lampe blinkt die blaue LED etwa alle drei Sekunden, um die Lampe bei Dunkelheit auffinden zu können. Ein kompletter Lockout gegen versehentliches Einschalten oder den unerwünschten geringen Stromverbrauch bei blinkender LED ist ebenfalls möglich. Dazu muss der Taster bei eingeschalteter Lampe länger als eine Sekunde durchgedrückt werden. Die Lampe kündigt den erfolgreichen Lockout durch einmaliges Blinken an.
Und dann kommt ein sehr schönes Feature der blauen LED zum Tragen: Sie zeigt durch Blinkimpulse die verbleibende Spannung der Akkus an. Nehmen wir als Beispiel eine Restspannung von 5,2 Volt. In diesem Fall blinkt die blaue LED fünfmal kurz hintereinander, gefolgt von einer Sekunde Pause, auf die zwei weitere Blinkimpulse folgen. Laut Nitecore ist diese Anzeige bis auf 0,1 Volt genau. Beim Einlegen neuer Stromversorger wird die Spannung ebenfalls angezeigt.
Das Entsperren funktioniert, indem der Taster länger als drei Sekunden bis zum ersten Druckpunkt gedrückt gehalten oder durchgedrückt wird. In der Bedienungsanleitung wird dieser Vorgang leider falsch beschrieben. Dort heißt es: „To exit lockout mode, simply press the switch three times within one second.“ Und das funktioniert nicht, selbst dann nicht, wenn man den Schalter dreißigtausendmal pro Sekunde drückt. Er muss schlicht und einfach gedrückt gehalten werden, bis die Lampe wieder einschaltet.
Nach dem Entsperren merkt sich die Lampe die zuletzt aktivierte Helligkeitsstufe nicht und startet immer in der Low-Stufe – der einzige Bug, den ich beim Test gefunden habe. Edit: Anscheidend gibt es zumindest noch einen weiteren Bug, wie ich gerade im Taschenlampen-Forum gelesen habe: Wenn die Lampe im SOS-Modus ausgeschaltet wird, schaltet sie sich nach etwa drei Minuten selbständig wieder ein, was auch beim Testmodell der Fall war.
Die Leuchtstufen sind von Nitecore nach ANSI wie folgt angegeben: Turbo: 860 Lumen für 1 Stunde und 45 Minuten; High: 550 Lumen für 2 Stunden; Mid: 300 Lumen für 4 Stunden und 30 Minuten; Low: 135 Lumen für 11 Stunden; Lower: 65 Lumen für 22 Stunden.

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Die blaue LED im Taster zeigt während des Betriebs grob die Restkapazität der Stromversorger an und beim Lockout bzw. beim Akku-/Batteriewechsel die Spannung der Stromversorger. Wird die Lampe ohne Lockout ausgeschaltet, blinkt die LED alle drei Sekunden, damit die Lampe im Dunkeln aufgefunden werden kann.


Beam:
Der Hotspot setzt sich weich und ohne Ringe vom Sidespill ab. Auf die Entfernung liefert die Lampe ein ausgewogenes, leicht spotbetontes Lichtbild mit einem zwar unauffälligen, aber doch wahrnehmbaren Donut-Hole. Die Reichweite wird von Nitecore mit 283 Metern angegeben.

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„Target-beamshot“ der Nitecore EA4.


Resümee:
Scheiß‘ die Wand an – was für eine geile Lampe! Die Nitecore EA4 macht mich zwar nicht über Nacht zum Fan von Lampen, die mit vier AA-Zellen betrieben werden, aber sie ist ein Musterbeispiel dafür, wie eine solche Lampe gebaut werden muss, um auf ganzer Linie überzeugen zu können. Die EA4 liegt fantastisch in der Hand, kann sowohl in einer taktischen wie auch nicht-taktischen Haltung einhändig bedient werden, ist solide verarbeitet und liefert richtig viel Licht bei einer ordentlichen Laufzeit mit solch schwachbrüstigen Stromversorgern wie AA-Zellen. Beim Batteriebetrieb indes ist die Maximalleistung nur für kurze Zeit abrufbar und dies allenfalls eine Notlösung, was aber bei 860 Lumen auch nicht anders zu erwarten war. Dass Strobe nicht per Direktzugriff erreicht werden kann, sondern nur bei eingeschalteter Lampe, ist sicherlich nicht ideal. Aber zumindest ist der Strobe-Modus fast per Direktzugriff erreichbar, wahlweise durch Antippen oder Durchdrücken des Tasters und unmittelbar darauf folgendem Doppelklick. Das geht ähnlich schnell wie ein Direktzugriff. Wie stressresistent diese Bedienung allerdings in der Praxis ist, hängt davon ab, wie stressresistent der Benutzer ist, denn schließlich müssen statt einem in diesem Fall zwei Befehle direkt hintereinander abgerufen werden.
Meine Wenigkeit hätte sich für eine echte „Lichtinsdunkel-Signature“-Lampe noch ein wirklich dunkles Low gewünscht und statt des SMOs lieber einen OP-Reflektor verbaut, was für ein noch gleichmäßigeres Lichtbild gesorgt hätte und das kleine Donut-Hole vermieden, aber es passt auch so, und zu perfekt ist schließlich auch nicht gut, weil es keinen Spielraum mehr für Verbesserungen lässt.
Erhältlich ist die Lampe zu einem Preis von 79 Euro (Stand: Dezember 2012), und der ist absolut gerechtfertigt. Zur Verfügung gestellt wurde das Testmodell freundlicherweise vom KTL-Store www.ktl-store.com

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Größenvergleich. Von links: Nitecore EA4, Led Lenser M14, Fenix TK35, Armytek Predator, Surefire 6P.

 

 

 

Die Outdoor-Beamshots wurden mit einer Belichtungszeit von einer Sekunde bei Blende 4 und 800 ASA aufgenommen.

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Kontroll-Shot

 

 

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Nitecore EA4 Lower

 

 

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Nitecore EA4 Low

 

 

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Nitecore EA4 Mid

 

 

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Nitecore EA4 High

 

 

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Nitecore EA4 Turbo

 

 

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Fenix TK35

 

 

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Armytek Viking X

 

 

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Surefire C2 mit Nailbender-XM-L-Drop-in

 

 

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Zebralight SC600

 

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