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9. Mai 2020

Rehkittz S1600

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„HELL! Jetzt brauchen Sie nur ein Viertel des Preises für den gleichen Typ Taschenlampe, du kannst eine super Taschenlampe haben, die leistungsstark und exquisit ist. Der von uns verwendete Docht ist Cree’s hervorragendes Material, kann sie eine hohe Lumenleistung erzeugen. Die Helligkeit ist 12 mal höher als bei der gewöhnlichen Leuchtstofflampe.“

Mit diesen Worten beginnt die Produktbeschreibung der Rehkittz S1600, die zurzeit bei Amazon für weniger als 20 Euro verkloppt wird. Ich habe keine Ahnung, was die „gewöhnliche Leuchtstofflampe“ ist, also könnte die Lampe vermutlich tatsächlich zwölfmal heller sein. Aber taugt sie auch was?

 

Verpackung/Lieferumfang:
In einem wabbeligen Pappkarton sind die Lampe, ein Magazin für den Betrieb mit drei AA-Zellen, ein Reduzierrohr für den Betrieb mit einem 18650-LiIon-Akku, ein Reduzierrohr für den Betrieb mit einem 26650-LiIon-Akku, ein Lanyard und eine Bedienungsanleitung in mehreren Sprachen enthalten.


So kommt das Kittz beim Kunden an.

 

Beschreibung der Lampe:
Länge defokussiert: 146 mm
Länge fokussiert: 178 mm
Durchmesser Kopf: 54 mm
Durchmesser Tail: 36 mm
Gewicht: 240 g
Gewicht mit 26650-Akku: 337 g
Gewicht mit 18650-Akku: 294 g
Gewicht mit AA-Akkus: 329 g
Anodisierung: gut und gleichmäßig ausgeführt, allerdings nicht HA III.
Tailstand: ja.
Rollschutz: nur bedingt.
Befestigungsmöglichkeit für Lanyard: ja, Löcher in der Tailcap.
wasserdicht: nein, lediglich spritzwassergeschützt.
Stromversorgung: 1x 26650 LiIon, 1x 18650 LiIon, 3x AA.


Die Materialstärke geht in Ordnung.

 


Dieses Bild wurde geschossen, nachdem die Lampe bereits mehrere Male auf- und zugeschraubt wurde. Das Gewinde ist nicht erste Sahne und weist deutlich Spiel auf, und die Anodisierung hat auch bereits gelitten.

 


Das Gegenstück: die Tailcap.

 


Blick in den Lampenkopf.

 


In diesen Löchern kann das Lanyard befestigt werden. Werksseitig wird die Lampe sogar mit bereits befestigtem Lanyard ausgeliefert. Aber da ich kein Freund davon bin, mit solchem Gebimmsel durch die Gegend zu laufen, habe ich es einfach mal frech und dreist abgefummelt und die Lampe ohne Lanyard fotografiert.

 

Leuchteinheit:
Hinter einer Plastiklinse sitzt eine Cree XM-L-T6-LED.


Nicht mehr ganz taufrisch in 2020: Als Leuchtmittel kommt eine XM-L-LED zum Einsatz.

 


Vor der LED sitzt eine Plastiklinse.

 

Bedienung:
Eingeschaltet wird die Lampe mit einem Heckschalter mit mittelhartem Druckpunkt. Der Schalter ist als Reverse-Clicky ausgelegt, schaltet also beim Loslassen. Das Rehkittz hat drei Modi an Bord: hell, dunkel und Strobe. Wie bei China-Billig-UIs üblich, wurde Strobe in die Schaltreihenfolge integriert. Durch Antippen des Schalters geht es in der Reihenfolge hell-dunkel-Strobe rotierend durch die Modi. Bei jedem Einschaltvorgang wandert die Lampe leider ebenfalls immer eine Stufe weiter.

Im Gegensatz zur Amazon-Produktbeschreibung, in der in der hellen Stufe von 1000 Lumen die Rede ist, finden sich weder auf der Verpackung, noch in der Bedienungsanleitung, noch auf der Lampe selbst irgendwelche Angaben. Und das ist auch gut, denn von den Angaben bei Amazon ist die Lampe weit entfernt. Ich kann zwar, mangels Ulbrichtkugel, keine Lumenmessungen vornehmen, aber beim Vergleich per Ceiling-Bounce (Leuchten an die Decke, bei der das Licht, das wieder unten ankommt, mit dem anderer Lampen verglichen wird), dürfte die Lampe etwa zwischen 300 und 400 Lumen liefern, wobei 400 Lumen schon relativ hoch gegriffen sind – mehr kommt definitiv nicht aus dem Kittz-Körper raus.


Die Lampe wird komplett über einen Heckschalter bedient.

 

Durch Vor- und Zurückschieben des Lampenkopfs kann die Lampe fokussiert werden. Das ist problemlos auch mit einer Hand möglich, wobei der Kittz-Kopf sehr locker sitzt und munter hin- und herwackelt.


So lang ist das Kittz bei maximaler Defokussierung.

 


Und so lang bei maximaler Fokussierung.

 

Stromversorgung/Laufzeittest:
Möglich sind drei Formate: 26650 LiIon, 18650 LiIon und 3x AA. Durchgeführt habe ich zwei Tests mit einem 26650er-Akku sowie drei AA-Akkus. Bei beiden Tests wurde die Lampe durch einen Ventilator gekühlt.



Nach jeweils einer Stunde habe ich die Tests beendet. Der LiIon-Akku hatte nach Entnahme von anfänglichen 4,20 Volt noch 3,77 Volt unter Leerlaufspannung. Beim AA-Akkupack wurden zu Beginn des Tests 4,31 Volt gemessen. Nach einer Stunde lag die Spannung im Leerlauf bei 3,68 Volt.

Fazit:
Wie nicht anders zu erwarten war, läuft die Lampe ungeregelt. Die Leistung sinkt adäquat zur Akkuspannung. Sofern man beim Rehkittz nicht gerade die schwachbrüstigen AA-Zellen verwendet, ist das nicht weiter dramatisch, da die LED nicht sonderlich gefordert wird und deshalb die Abweichung vom Maximalwert nach einer Stunde Laufzeit lediglich bei etwa 18 Prozent beim Betrieb mit einem 26650-Akku liegt.
Wer die Lampe trotzdem lieber mit AA-Zellen betreibt, sollte sich allerdings nicht darüber wundern, dass das Kittz viel schneller zusehendes dunkler wird. Beim Test mit AA-Akkus lag die Abweichung im Vergleich zur maximalen Leistung beim Einschalten nach einer Stunde bei fast 30 Prozent.
Hier mal beide Diagramme übereinandergelegt:

 

Beam:
Je nach Fokussierung, ist das Lichtbild breit gestreut oder extrem fokussiert. Bei maximaler Fokussierung ist das Abbild der LED zu sehen. Typisch sind die bei vielen Zoomlampen bekannten „Saturn-Ringe“ im Lichtbild.


Rehkittz S1600 defokussiert.

 


Rehkittz S1600 halb fokussiert.

 


Rehkittz S1600 fokussiert.

 

Torture-Test:
Bei Amazon wird auf einem Bild angedeutet, dass die Lampe sogar von einem SUV überfahren werden kann und anschließend immer noch leuchtet. In der Praxis bedeutet das für ein halbwegs vernünftiges Aluminiumrohr-Gefüge zwar keine große Belastung, aber ich wollte es dennoch wissen und habe das Rehkittz bewusst und mit voller Absicht überfahren. Da ich nicht im Besitz eines SUVs bin, galt dabei das Motto „Klasse statt Masse“. Mit meinem 23 Jahre alten Klasse-Peugeot habe ich die Lampe insgesamt zwanzigmal überfahren. Anschließend sah sie zwar scheiße aus, leuchtete aber noch immer.


So sah das Kittz nach dem Überfahren aus.

 

Resümee:
Mit der Rehkittz S1600 bekommt man viel Lampe für wenig Geld – zumindest was das Gewicht angeht. Bezüglich der Qualität bekommt man wenig Lampe für wenig Geld. Denn für eine Lampe ihrer Größe ist die S1600 im aktuellen Lampenzeitalter viel zu dunkel. Die LED ist veraltet, der Lampenkopf wackelt wie ein Lämmerschwanz, das Tailcap-Gewinde greift beim Zuschrauben erst in den letzten Gewindegängen spielfrei, und das UI ist schrecklich. Praktisch ist, dass die Lampe mit mehreren Akkuformaten betrieben werden kann und im Notfall sogar mit Batterien. Mehrere Überroll-Tests mit einem Kleinwagen übersteht die S1600 mühelos. Den Preis von etwas weniger als 20 Euro ist die Lampe auf jeden Fall wert. Erhältlich ist das Kittz hier.


Größenvergleich. Von links: Rehkittz S1600, Fenix FD65, Olight R50 Pro Seeker.

 

Die Outdoor-Beamshots wurden mit einer Belichtungszeit von 2 Sekunden bei Blende 4 und 800 ASA aufgenommen.


Tageslicht

 


Kontroll-Shot im Dunkeln

 


Rehkittz S1600 dunkel defokussiert

 


Rehkittz S1600 hell defokussiert

 


Rehkittz S1600 dunkel halb fokussiert

 


Rehkittz S1600 hell halb fokussiert

 


Rehkittz S1600 dunkel fokussiert

 


Rehkittz S1600 hell fokussiert

 


Fenix FD65 defokussiert

 


Fenix FD65 fokussiert

 

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