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26. September 2011

Geocaching-Special: Am falschen Ende gespart

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Eine Frage, die sich mir spätestens seit dem 3. Norddeutschen Taschenlampen-Event stellt, ist die, warum ein Großteil der Cacher haufenweise Geld für GPS-Geräte (am besten spätestens alle zwei Jehre ein neues), Bekleidung, Schuhe, etc. ausgibt, aber an einer guten Lampe spart.

Als ich bei besagtem Event mit rautaxe und Stefan im Keller des Gebäudes Lampen von JoFrie präsentierte, waren die beiden meist gestellten Besucherfragen: „Ist die Lampe auch fokussierbar?“ und „Was gibt es denn für unter 30 Euro?“
Letztere Frage ist schnell beantwortet: Eigentlich nichts, was nachts im Wald Spaß macht, es sei denn, man gibt sich mit soviel Licht zufrieden, dass man gerade eben nicht vor den nächsten Baum läuft. Das Argument, man brauche ja gar nicht so viel Licht, schließlich wolle man nicht den ganzen Wald ausleuchten und überhaupt habe ein Nachtcache durch helle Lampen gar nicht mehr das Flair eines Nachtcaches, lasse ich nicht gelten. Genau so wenig wie die unsinnige Behauptung, mit hellen Lampen würde man Reflektoren „überleuchten“.
Spätestens an dem Punkt, an dem diejenigen, die vorher am lautesten geschrieen haben, mir hinterhertrotten, weil ich mit meiner unsinnig hellen Lampe, die angeblich die ganze Nachbarschaft weckt und Hundertschaften von Polizisten auf den Plan ruft, die Reflektoren immer als erster entdecke, sehe ich mich in dieser Argumentation bestätigt.
Ich bin der letzte, der mit einer Lampe auf voller Dröhnung durch ein Wohngebiet läuft, aber dafür haben Lampen ja auch mehrere Leuchtstufen. Im Idealfall kann ich mit einer einzigen Lampe ein großes Areal ausleuchten und in der dunkelsten Stufe eine Karte blendfrei lesen.
Es geht ja auch nicht darum, dass man die volle Power einer Lampe ständig nutzen muss. Vielmehr ist es von Vorteil, Reserven zu haben, die man situationsbedingt einsetzen kann.

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Die gute alte Maglite, hier die 3-Zellen-Version.

 

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Zum Vergleich: Dasselbe Areal, ebenfalls mit einer Taschenlampe ausgeleuchtet. Soviel Licht braucht man eher selten, aber schaden kann es nicht, ein wenig Leistung in der Hinterhand zu haben.

Meist betreibe ich meine Lampe(n) bei einem Nachtcache in einer dunklen oder mittleren Stufe, was in der Regel völlig ausreicht. Wenn man aber mal falsch abgebogen ist oder wenn sich der nächste Reflektor einfach nicht zeigen will, hilft es ungemein, auch mal schauen zu können, ob der Weg nicht doch nach 200 Metern in einer Sackgasse endet oder ob in mehreren hundert Metern (sofern die Strecke das zulässt) überhaupt noch ein Reflektor kommt. Dann ist es ungefragt an mir, meine „Angeber-Überleuchtungs-Lampe“ auf höchster Stufe anzuwerfen. Vergleichbar ist das in etwa mit den Besitzern eines etrex H, die im Zweifelsfall doch lieber auf das Karten-GPS eines Mitcachers schauen, statt den kürzesten Weg zur nächsten Station quer durch die Botanik zu nehmen.
Unterm Strich kann man festhalten, das es für weniger als 30 Euro keine brauchbare Lampe für unser Hobby gibt. Diese Aussage bezieht sich auf Inlandsbestellungen. Bei Bestellungen aus Fernost gibt es auch für diesen Preis bereits die ein- oder andere brauchbare Lampe.

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Das etrex H ist ein wundervolles Käsch-Finde-Gerät, und die Lampe rechts im Bild macht genug Licht, damit man sich nicht die Beine bricht. Aber wer die Wahl hat, wird doch eher zur Kombination links im Bild greifen.

Interessant wird es, wenn wir das Budget um knapp 20 bis 30 Euro nach oben erweitern. Die Cacher-Lampe schlechthin, die Fenix LD20, liegt, wie viele andere Lampen auch, in diesem Preissegment und bietet mehrere Leuchtstufen, die gut aufeinander abgestimmt sind. Natürlich gibt es eine ganze Reihe weiterer Lampen, die zu einem ähnlichen Preis erhältlich sind, aber da eine „Lampenberatung“ den Rahmen dieses Specials sprengen würde, sei hier nur die LD20 als Klassiker erwähnt.
Nach oben sind preislich kaum Grenzen gesetzt. Wer mag, kann auch mehrere hundert Euro ausgeben – wie beim GPS-Gerät auch. Der Markt ist voll mit guten Lampen, da sollte für jeden entsprechend der gewünschten Größe und Helligkeit etwas dabei sein.

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Der Klassiker unter den Cacherlampen schlechthin: Die Fenix LD20, die hier stellvertretend für eine Vielzahl an exzellenten Lampen steht, die für Nachtcaches geeignet sind.

Kommen wir zum zweiten Punkt: Die Fokussierbarkeit. Der Vorteil einer fokussierbaren Lampe liegt auf der Hand: Sie kann defokussiert den Nahbereich ausleuchten, und fokussiert kann man mit ihr auch weiter entfernte Reflektoren finden. Damit hört es mit den Vorteilen allerdings auch schon auf. Die Liste der Nachteile ist da schon erheblich länger. Zunächst sind nahezu alle fokussierbaren Lampen nicht wasserdicht, sondern lediglich spritzwassergeschützt. Ein Regenguss macht ihnen zwar nichts aus, aber wenn die Lampe in eine Pfütze oder einen Bach fällt, wirkt der Schiebefokus wie eine Saugpumpe. In diesem Fall sollte man also tunlichst vermeiden, ihn zu benutzen. Auch die Reinigung der Lampe unterm Wasserhahn, sollte sie richtig verschmutzt sein, empfiehlt sich nicht.

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Der Schiebefokus wirkt wie eine Saugpumpe.

Ein weiterer gravierender Nachteil ist das Lichtbild fokussierbarer Lampen. In defokussierter Einstellung wird nur der unmittelbare Nahbereich ausgeleuchtet mit einem schwarzen Loch in der Mitte und mehr oder weniger vielen Ringen im Lichtbild. In komplett fokussierter Einstellung hat man kein nutzbares Streulicht mehr, alles Licht wird auf einen Punkt in der Ferne gebündelt. Die Zwischenstellungen sind meist nicht wirklich brauchbar und weisen ebenfalls Ringe im Lichtbild auf.
Eine gute Lampe mit Fixfokus (die Modelle, die nur auf Reichweite oder nur auf Flutlicht getrimmt sind, mal ausgenommen), bietet beides: Ausreichend viel Streulicht für die Wegausleuchtung und gleichzeitig eine gute Reichweite, mit der sich auch weiter entfernte Reflektoren problemlos finden lassen. Komplett wasserdicht sind gute Lampen mit Fixfokus ohnehin. Die Auswahl ist reichhaltig. Wer größeren Wert auf die Reichweite legt, wird zahlreiche Lampen finden, bei denen dieser Bereich mehr betont wird, und umgekehrt ist das genauso der Fall.

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Fokussierbare Lampe (Led Lenser M14) in defokussierter Einstellung. Der Wald ist etwa 20 Meter entfernt. Das Licht reicht gerade mal bis dort hin, in der Mitte ist ein „schwarzes Loch“ zu sehen, und im Lichtbild finden sich außen mehrere Ringe.

 

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Die selbe Lampe in fokussierter Einstellung. Punktuell sind einige Bäume am Waldrand gut erkennbar, aber nutzbares Streulicht zur Wegausleuchtung ist nicht vorhanden.

 

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Zum Vergleich: Eine Lampe mit gutem Fixfokus (Fenix TK35). Das Lichtbild ist sauber und gleichmäßig. Der Waldrand ist gut erkennbar, und auch an Reichweite mangelt es nicht. Preislich spielen beide Lampen in der selben Liga.

Die letzte Frage ist: Welche Stromversorger möchte ich nutzen? Gerne wird von Cachern das Argument angebracht: „Auf jeden Fall AA-Batterien oder Akkus, da ich die auch im GPS nutze und nicht mehrere verschiedene Akkus oder Batterien mitschleppen möchte.“
Auf der einen Seite ein nachvollziehbares Argument, aber angesichts der Tatsache, das im Cacherucksack neben den Stromversorgern fürs GPS noch Trinkflasche, Multitool, Kompass, Pinzette, Taschenmesser, Handschuhe, Mücken-Pfui, Tauschgegenstände und vielleicht auch noch Greifer, Kamera, ein Büchlein mit Dechiffrierungscodes, Spiegel, Magnet, Einmalhandschuhe, Pflaster und Butterbrotdose verstaut sind, leuchtet mir nicht wirklich ein, warum da für eine kleine Box mit anderen Akkus kein Platz mehr sein sollte.
Wirklich leistungsstarke Taschenlampen werden meist mit Lithium-Ionen-Akkus (LiIon) gefüttert, da diese über eine höhere Energiedichte und Kapazität verfügen. Um die gleiche Leistung aus AA-Zellen zu bekommen, muss man mehrere Zellen verwenden, was die Lampe entsprechend größer und schwerer macht.
Für LiIon-Akkus benötigt man ein spezielles Ladegerät, das zusätzlich erworben werden muss. Auch sollte man sich Grundkenntnisse im Umgang mit diesen Akkus aneignen, was ein wenig an Recherche in entsprechenden Foren braucht. Nichtsdestotrotz reicht aber auch eine gute AA-Lampe für die meisten Nachtcaches absolut aus, auch wenn man dann nicht die „volle Dröhnung“ hat.

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Größenvergleich: AA-Eneloop und LiIon-Akku der Baugröße 18650.

 

Am falschen Ende 011
Möglicher Inhalt eines Cacherrucksacks. Preisfrage: Welcher Gegenstand gehört nicht in den Rucksack, weil er seinem Benutzer Rückenprobleme bereiten könnte? Richtig: Die Aufbewahrungsbox mit den Lithium-Ionen-Akkus rechts neben der Trinkflasche.

Zum Schluss sei gesagt, dass dieser Artikel ganz bewusst polarisiert. Es gibt zahllose Cacher, die sämtliche ihrer Nachtcaches mit einer Billig-Lampe absolviert haben, und weil der Erfolg ihnen recht gibt, können sie damit nicht sooo falsch liegen. Genau so wenig wie Cacher, die 1000 Funde oder mehr mit dem etrex H gemacht haben. Fakt jedoch ist, dass eine gute Lampe das Leben nachts im Wald ungemein erleichtert. Fakt ist ebenfalls, dass man nicht alle zwei Jahre eine neue, noch hellere, Lampe braucht, schließlich stehen die Bäume in zwei Jahren auch nicht weiter auseinander. Aber zumindest ein Mal sollte man als ambitionierter Nachtcacher etwas tiefer in die Tasche greifen. Und wie ich aus zahlreichen Gesprächen weiß, sehen das diejenigen, die das getan haben, ganz genau so.

 

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