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28. Oktober 2011

Fenix TK70

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Fenix TK70 001
Nein, eine Schönheit ist die TK70 von Fenix sicherlich nicht. Aber das ist auch nicht ihre Intention.


Verpackung/Lieferumfang:
In einem Pappkoffer mit Tragegriff finden sich Lampe, Ersatz-O-Ringe, ein Tragegurt, ein Lanyard zur Befestigung am Tragegurt, eine englischsprachige Bedienungsanleitung und eine Garantiekarte.

Fenix TK70 002
In diesem Pappkoffer wird die Lampe ausgeliefert. Ein Punkt, der durchaus schon kontrovers diskutiert wurde, da andere Hersteller solche Klopperlampen in hochwertigeren Kunststoff- oder gar Alukoffern ausliefern. Mich persönlich stört das nicht, da ich Lampen in erster Linie zum Leuchten und nicht zum Herumtragen nutze.

 

Fenix TK70 003
Und auf das Köfferchen! Allerliebst sind die schnuckeligen Deckelchen, mit denen die Gewinde der einzelnen Lampenteile im Auslieferungszustand geschützt sind. Bedienungsanleitung und Lanyard fehlen auf dem Bild.


Beschreibung der Lampe/erster Eindruck:
Länge: 400 mm
Reflektoröffnung: 90,5 mm
Durchmesser Kopf: 113 mm
Durchmesser Tail: 43 mm
Gewicht: 791 g
Gewicht mit Akkus: 1361 g
Anodisierung: HA III, beim Testmodell mit kleinen Fehlern.
Tailstand: ja.
Rollschutz: nein.
Löcher für Lanyard: In Verbindung mit dem Tragegurt kann das Lanyard zwischen den Kühlrippen am Lampenkopf befestigt und in den Tragegurt eingehängt werden. Das andere Ende des Tragegurts wird in einem der Schlitze an der Tailcap befestigt.
wasserdicht: ja, durch Praxistest bestätigt – zumindest auf den ersten Blick. Nach dem Unterwassertest inklusive Betätigen der beiden Schalter waren keine Anzeichen von Undichtigkeit zu erkennen. Die Lampe funktionierte anschließend immer noch einwandfrei, auch bildete sich innen unter der Frontscheibe keinerlei Kondenswasser.
Am nächsten Tag stellte ich fest, dass die Lampe inkontinent geworden war. Beide Schalter nässten leicht, was offenbar eine Folge der Betätigung unter Wasser war. Dem herstellerseitig angegebenen IPX-8-Standard entspricht die Lampe also nur, wenn unter Wasser nicht geschaltet wird. Beim Testkandidaten drang soviel Wasser ein, dass auch die Elektronik betroffen war. Die TK70 gab kein Fünkchen Licht mehr von sich. Das tat sie auch nach ausgiebiger Trocknung nicht und musste ausgetauscht werden.
Der geneigte Leser mag sich jetzt die Frage stellen: “Warum schaltet dieser Idiot von Lampentester die Lampe auch unter Wasser ein, obwohl dies vom Hersteller nicht explizit die Maßgabe für die Versuchsanordnung war, bei der die Lampe ihren IPX-8-Standard erlangt hat?” Worauf der Idiot von Lampentester antworten würde: “Okay, ich bin ein Idiot, weil ich die Lampe unter Wasser eingeschaltet habe, obwohl dies vom Hersteller nicht explizit die Maßgabe für die Versuchsanordnung war, bei der die Lampe ihren IPX-8-Standard erlangt hat. Aber alle anderen Lampen der TK-Serie, die ich bislang in den Fingern hatte, haben genau diese Prozedur klaglos überstanden.”
Auffällig waren auch optische Makel. Die Lasergravur des Testmodells war nicht einheitlich, und auch die Anodisierung wies an einer Stelle Fehler auf. So etwas bin zumindest ich von Fenix nicht gewohnt. Das Austauschmodell wies zwar keine Anodisierungsfehler auf; die Lasergravur indes war ebenfalls eher durchwachsen.

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Das Batterierohr ist nicht gerade “Built like a tank”. Mit selbigem würde ich es auch nicht überfahren wollen. Aber seinen Zweck erfüllt es und spart Gewicht.

 

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Das Verlängerungsstück zum Betrieb mit vier Akkus. Unentbehrlich, wenn man die volle Dröhnung über einen längeren Zeitraum haben möchte.

 

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Endkappe Außenansicht.

 

Fenix TK70 007
Endkappe Innenansicht.

 

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TK70 in der Kurzversion ohne Verlängerungsstück zum Betrieb mit drei Akkus. Die Maximalleistung von 2.200 Lumen ist damit allerdings nur für weniger als eine Minute verfügbar.

 

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Im Kopf sitzt die Elektronik. Wie immer bei Fenix ist ein Öffnen seitens des Benutzers nicht vorgesehen.

 

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Die Lasergravur ist nicht gerade ein Meilenstein der Lampenbeschriftungshistorie. Auch bei der Anodisierung wurde geschlampt, wie das folgende Bild zeigt.

 

Fenix TK70 011


Leuchteinheit:
Drei XM-L-LEDs, jede in einem kleinen Reflektor, sind in einem großen Kopf verbaut. Die Frontlinse besteht aus beschichtetem Glas.

Fenix TK70 015
Dieser Anblick lässt bereits erahnen, dass die Lampe richtig, richtig böse werden kann.


Stromversorgung/Laufzeittest:
Betrieben wird die Lampe mit vier D-Zellen. Fenix empfiehlt Akkus mit einer hohen Kapazität, um die maximale Helligkeit über einen längeren Zeitraum zur Verfügung zu haben. Batterien sind aufgrund ihres hohen Innerwiderstands nicht geeignet, wenn man die volle Leistung haben möchte. Auch Akkus mit einer geringen Kapazität sind ungeeignet. In beiden Fällen steht der Turbo-Modus, der mit 2.200 ANSI-Lumen für eine Stunde und fünfzig Minuten angegeben ist, nur für kurze Zeit oder gar nicht zur Verfügung. Im “Not-Modus” kann die Lampe auch mit drei Zellen in einer kürzeren Variante betrieben werden. Auch hier steht die volle Power nur immer kurzzeitig zur Verfügung. Zum Test wurden vier Conrad Endurance-Akkus mit einer Kapazität von 8.000mAh eingelegt und die Lampe im Turbo-Modus betrieben. Gekühlt wurde sie während des Tests durch einen Ventilator.
Laufzeitmessung:
beim Einschalten: 102.100 Lux
nach 5 Minuten: 100.600 Lux
nach 10 Minuten: 100.600 Lux
nach 20 Minuten: 100.600 Lux
nach 30 Minuten: 100.600 Lux
nach 40 Minuten: 100.600 Lux
nach 50 Minuten: 100.600 Lux
Nach 55 Minuten schaltete die Lampe in die zweite Leuchtstufe, gemessen mit 40.500 Lux. Die Akkus hatten zu diesem Zeitpunkt eine Leerlaufspannung zwischen 1.19 und 1.20 Volt. Das erneute Hochschalten in den Turbo-Modus ist zwar möglich, allerdings schaltet die Lampe innerhalb weniger Sekunden wieder herunter.
Da das Austauschmodell ebenfalls zum Test vorlag, wurde eine zweite Messung durchgeführt.
beim Einschalten: 107.800 Lux
nach 5 Minuten: 107.800 Lux
nach 10 Minuten: 108.100 Lux
nach 20 Minuten: 108.500 Lux
nach 30 Minuten: 108.600 Lux
nach 40 Minuten: 108.600 Lux
Nach 49 Minuten folgte auch hier das Herunterschalten in die zweite Stufe, gemessen mit 43.500 Lux. Die Akkus wurden mit jeweils 1,21 Volt gemessen.
Die leicht abweichenden Maximalwerte beider Lampen sind einer Streuung innerhalb der Serie zuzuschreiben, was völlig normal ist. Dass die Werte beim Austauschmodell im Verlauf der Messung im Vergleich zum Ausgangswert sogar leicht anstiegen, dürfte daran liegen, wie der Treiber mit der Akkuspannung umgeht. Was das angeht, bin ich kein Experte, leicht ansteigende Werte innerhalb einer Messreihe sind aus meiner Erfahrung jedoch so ungewöhnlich nicht.
Fazit: Die Fenix TK70 ist exzellent geregelt. Solange die Akkus mitspielen, steht die maximale Leistung ohne messbaren Verlust zur Verfügung. Anschließend kann die Lampe in den dunkleren Stufen weiter betrieben werden.
Der Grund dafür, dass die herstellerseitig angegebene Laufzeit im Turbo-Modus nicht erreicht wurde, kann mehrere Ursachen haben. Allen voran natürlich die Kapazität der verwendeten Akkus. Mir ist nicht bekannt, mit welchen Akkus der Hersteller die Laufzeit ermittelt hat. Vermutlich aber mit Akkus, die eine höhere Kapazität haben, als die von mir beim Test verwendeten. Auch die Tatsache, dass die von mir verwendeten Akkus neu waren und noch nicht ihre volle Kapazität erreicht hatten, kann eine Rolle spielen. Und nicht zuletzt bin ich mir auch nicht sicher, ob mein Billig-Lader die Akkus komplett voll pumpt. Eigens für diesen Test ein hochwertiges Ladegerät für Mono-Akkus zu kaufen, die ich so gut wie nie benötige, hätte den finanziellen Rahmen gesprengt, und schließlich muss mein ausschweifender Lebensstil ja auch noch irgendwie finanziert werden…
Ohne Kühlung wird die Lampe erwartungsgemäß schon ordentlich warm. Im Praxisbetrieb sollten Umgebungsluft und Blutkühlung jedoch ausreichen, um die Lampe auch dauerhaft in der hellsten Stufe betreiben zu können.

Bedienung:
Die TK70 hat zwei Schalter, die seitlich unterhalb des Lampenkopfs angebracht sind. Mit dem rechten wird die Lampe ein- und ausgeschaltet, der linke ist fürs Durchschalten der Leuchtstufen zuständig. Die Schaltreihenfolge ist Low-Medium-High-Turbo. Angegeben sind die Leuchtstufen vom Hersteller wie folgt: Turbo: 2.200 Lumen für 1 Stunde und 50 Minuten; High: 930 Lumen für 4 Stunden und 30 Minuten; Medium: 300 Lumen für 15 Stunden; Low: 20 Lumen für 168 Stunden. Die Lampe verfügt über eine Memory-Finktion; der Modus, der beim letzten Ausschalten aktiviert war, wird auch beim nächsten Einschalten aktiviert.
Durch Doppelklicken des rechten Schalters kommt das Geblinke ins Spiel. Hier stehen Strobe (2.200 Lumen) und SOS (930 Lumen) zur Verfügung, zwischen denen mit dem linken Schalter gewechselt wird. Auch hier wird die letzte Einstellung gespeichert. War beim Ausschalten Strobe eingestellt, landet man beim nächsten Aufrufen der Blinkmodi auch wieder im Strobe.

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Der linke Schalter ist für die Wahl der Leuchtstufen zuständig. Der rechte dient zum Ein- und Ausschalten sowie zum Anwählen der Blinkmodi.

 

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Unten im Bild: der Fenix-Gurt. Oben der Gurt der Led Lenser X21, der das direkte Duell eindeutig für sich entscheidet, da das Gewicht auf eine breitere Fläche verteilt wird und eine Verstärkung im Schulterbereich vorhanden ist. Der Fenix-Gurt wirkt dagegen wie eine Alibi-Dreingabe, die genau so gut aus dem Angebot einer Zoohandlung als Leine für kleine Hunde stammen könnte.

 

Fenix TK70 018
Fiffi beim Gassigehen. Das Lanyard kann zwischen den Kühlrippen befestigt und in den Tragegurt eingehängt werden.


Beam:
Die Mischung aus Throw und Spill ist ausgewogen, wobei sowohl Reichweite als auch Spill schon enorm sind, so mir denn diese wissenschaftlich wenig fundierte Formulierung gestattet sei. Auf kurze Entfernungen sind die drei LEDs im Beam zu erkennen, auf weite Entfernungen setzt sich der Hotspot immer noch klar erkennbar vom Sidespill ab.

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“Dirty-wall-beamshot” der TK70.


Helligkeit:
Wer oder was bitte, ist Helligkeit? Diesen Punkt gibt es bei den Tests auf dieser fabulösen Seite eigentlich nicht. Aber bei der TK70 lasse ich mal fünf gerade sein und benutze den Begriff, um den Eindruck fürs Auge wiederzugeben.
Helligkeit ist, dass die TK70 auf der zweiten Stufe bereits geringfügig heller ist als die TK35 in der hellsten Stufe. Helligkeit ist, dass die Olight SR90 mit bloßem Auge auf die Entfernung mithält, ansonsten aber von der TK70 fast “geschluckt” wird. Helligkeit ist, dass die Microfire K3500R Warrior III vom Gesamteindruck, trotz ihrer angegebenen 3.500 Lumen, fürs Auge dunkler wirkt. Helligkeit sind die 2.200 ANSI-Lumen, mit denen die Lampe angegeben ist, und die ich dem Hersteller tatsächlich abnehme.

Fenix TK70 020
Größenvergleiche: TK70 und Lummi Wee.

 

Fenix TK70 021
TK70 und Pömpel.

 

Fenix TK70 022
TK70, Led Lenser X21, Maglite 3-D-Cell.


Resümee:
Die TK70 von Fenix ist der hellste Pömpel der Welt. Bei Serienlampen mit LEDs als Leuchtmittel dürfte sie, was den Gesamtoutput angeht, zurzeit an vorderster Front spielen. Die Regelung ist auf dem üblichen hohen Fenix-Niveau. Bei der Verarbeitung (zumindest des Testmodells) wurde allerdings ein wenig geschlampt. Hier sind es vor allem Kleinigkeiten, die Anlass zur Kritik geben. Angefangen von kleinen Anodisierungsfehlern, über die ungleichmäßig ausgeführte Laserbeschriftung, bis hin zur Tatsache, dass die Lampe nur so lange wasserdicht ist, bis ein Schalter betätigt wird, kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Fenix seine Qualitätskontrolleure kurzfristig in Urlaub geschickt hat, um beim aktuell vorherrschenden Lumenwahn ganz vorne mitzuspielen.
Handlichkeit oder Unhandlichkeit mal außer Acht gelassen, ist die Lampe durch ihre sinnvoll gewählten Leuchtstufen sehr universell einsetzbar. Die dunkelste Stufe ermöglicht blendfreies Lesen von Karten oder Hinweisen, die Medium-Stufe dürfte bei praktischen Anwendungen sogar die am meisten gebräuchlichste sein, da sie für nahezu alle Situationen ausreichend ist. In der zweithellsten Stufe ist die TK70 bereits da, wo die meisten anderen Lampen aufhören. Und wenn man den Turbo zündet, brennt der Wald. Für knapp 200 Euro (Stand: Oktober 2011) bekommt man eine Lampe, die aufzeigt, was derzeit mit LEDs in seriengefertigten Taschenlampen machbar ist – leider nicht in allerletzter Konsequenz umgesetzt. Weitere Infos finden sich auf der Herstellerseite www.fenixlight.com Erhältlich ist die Lampe unter anderem hier.

Die Outdoor-Beamshots wurden mit einer Belichtungszeit von einer Sekunde bei Blende 4 und 800 ASA aufgenommen.

Fenix TK70 023
Fenix TK70 Low

 

Fenix TK70 024
Fenix TK70 Medium

 

Fenix TK70 025
Fenix TK70 High

 

Fenix TK70 026
Fenix TK70 Turbo

 

Fenix TK70 028
Led Lenser X21 (7x XR-E) halb fokussiert

 

Fenix TK70 029
Led Lenser X21 fokussiert

 

Fenix TK70 030
Microfiire K3500 Warrior III (HID) leicht fokussiert

 

Fenix TK70 031
Microfiire K3500 Warrior III enger fokussiert

 

Fenix TK70 032
Fenix TK35 (1x XM-L)

 

Fenix TK70 033
Fenix TK45 (3x XP-G)

 

Fenix TK70 034
Maglite 3-D-Cell Nailbender (SST-90)

 

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