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15. Mai 2012

Wiseled Tactical NG

Gespeichert unter: Taschenlampen-Tests — 208730 @ 11:27

Wiseled Tactical NG 001
Mit der Tactical NG bietet Wiseled eine robuste, durchdachte, programmierbare, aber auch nicht gerade günstige Lampe.


Verpackung/Lieferumfang:
Ausgeliefert wird die Lampe in einem Pappkarton, in dem sich ferner eine Ladestation, ein Lader mit Anschlussmöglichkeit an die Steckdose, ein Lader mit Anschlussmöglichkeit an einen 12-Volt-Zigarettenanzünder und eine Bedienungsanleitung befinden.

Wiseled Tactical NG 002
Lieferumfang der Tactical NG. Die Bedienungsanleitung war beim Testmodell nicht dabei.


Beschreibung der Lampe/erster Eindruck:
Länge: 240 mm
Durchmesser Kopf: 75 mm
Durchmesser Tail: 46 mm
Gewicht: 783 g
Anodisierung: kein HA III, nicht schnittfest, allenfalls kratzfest. Der Body wurde zur besseren Griffigkeit mit Gummi überzogen.
Tailstand: ja, allerdings nur, wenn man den Stöpsel der Ladebuchse entfernt.
Rollschutz: ja.
wasserdicht: ja, da ursprünglich als Tauchlampe konzipiert. Dazu ist zu sagen, dass Wiseled die Garantiebedingungen bzw. die Spezifikation bezüglich der Wasserdichtheit geändert hat. Lampen, die nach dem 1. Dezember 2011 gekauft wurden/werden, fallen aus der Garantie, wenn sie zum Tauchen benutzt werden – wurde die gleiche Lampe davor erworben, besteht diesbezüglich ein Garantieanspruch. Gleichzeitig weist Wiseled auf der Homepage im nächsten Satz darauf hin, dass spezielle neue Tauchlampen entwickelt worden sind. Alles klar…
Die Anodisierung wurde, soweit erkennbar, gut und gleichmäßig ausgeführt. Allerdings gehört die Beschichtung, was die Robustheit angeht, mit zum Schlechtesten, was ich seit langer Zeit gesehen habe. Selbst leichter Kontakt mit harten Gegenständen lässt sofort das blanke Alu durchscheinen. Ansonsten wirkt beim Rest der Lampe alles gut und robust verarbeitet.

Wiseled Tactical NG 003
Die Lampe wurde nach HA-Gurken-Standard anodisiert. Der Kopf hat eine zusätzliche Kunststoffummantelung, das Griffstück wurde mit Gummi überzogen. Die Lampe liegt somit gut und sicher in der Hand.

 

Wiseled Tactical NG 004
Im Kopf befindet sich ein Gewinde zur Stativmontage. Auf herkömmliche Fotostative passt die Lampe allerdings nicht.

 

Wiseled Tactical NG 005
Die einzige Aufschrift findet sich hinten an der Lampe und ist sehr dezent gehalten.

 

Wiseled Tactical NG 006
Ein Kunststoffeinsatz mit O-Ring dichtet die Ladekontakte am Tail der Lampe ab. Dank eines schicken und reißfesten orangefarbenen Bändchens kann der Einsatz nicht verloren gehen.

 

Wiseled Tactical NG 007
Der praktische Einsatz hilft übrigens auch gegen Wespen und Fliegen im Bier.


Leuchteinheit:
Sieben LEDs von Cree (laut Hersteller XP-Es) sitzen in jeweils einer eigenen Linse. Die Linsen bestehen aus Kunststoff. Zwar sitzen sie relativ tief im Lampenkopf, dennoch wäre eine große Vorsatzlinse für den Gebrauch „on the road“ als zusätzlicher Schutz eine Option gewesen. Allerdings dürfte es beim ursprünglich angedachten Einsatzzweck der Lampe als Tauchlampe eher selten vorkommen, dass einen Haie mit harten Gegenständen angreifen, die die Linsen verkratzen könnten. Abgesehen davon ist das Verkratzen der Linsen das geringste Problem, das man hat, wenn der Hai sauer ist – selbst, wenn er keine harten Gegenstände mitführt.

Wiseled Tactical NG 008
Das Linsensystem der Wiseled Tactical NG.


Stromversorgung/Laufzeittest:
Die Stromversorgung erfolgt mit einem im Griffstück integrierten Akkupack mit einer Kapazität von 5.200mAh, das aus sechs 18650-Akkus besteht. Ein Wechsel des Akkupacks durch den Benutzer ist nicht vorgesehen und kann laut Wiseled ausschließlich vom Hersteller vorgenommen werden.
Angegeben ist die Lampe mit 3.300 Lumen bei einer Laufzeit von einer Stunde und fünfundvierzig Minuten (mehr zur Lumenangabe beim Punkt „Bedienung“). Getestet wurde sie in der hellsten Stufe. Zur Kühlung wurde ein Ventilator zugeschaltet.
Laufzeitmessung:
Beim Einschalten: 27.700 Lux
nach 5 Minuten: 27.100 Lux
nach 15 Minuten: 27.000 Lux
nach 30 Minuten: 26.900 Lux
nach 45 Minuten: 26.900 Lux
nach 60 Minuten: 26.800 Lux
nach 75 Minuten: 26.800 Lux
nach 90 Minuten: 26.800 Lux
nach 105 Minuten: 27.000 Lux
Nach 113 Minuten schaltete die Lampe auf 2.100 Lux herunter. Anschließend lieferte die Lampe immer noch mehr als genug Licht, um im Notfall den Weg und die nähere Umgebung brauchbar auszuleuchten zu können. Nach ein wenig „Erholungszeit“ stand sogar die Maximalleitung wieder für etwas mehr als eine Minute zur Verfügung. Der Test wurde dennoch an dieser Stelle beendet, da ich die Akkus nicht auslutschen wollte.
Fazit: Die Regelung könnte besser nicht sein. Ausgehend vom Wert, den die Lampe nach Erreichen der Betriebstemperatur hatte (5 Minuten), steht die maximale Leistung über die gesamte Laufzeit (bei sinnvoll nutzbarer Akkukapazität) zur Verfügung.
Dass die Lampe beim Betrieb ohne Kühlung ordentlich warm wird, versteht sich von selbst. Aus diesem Grund hat sich der Hersteller etwas einfallen lassen: Die Lampe wird per Konvektionskühlung passiv gekühlt (genau genommen: durch den Benutzer sogar aktiv…). Zwischen der Linseneinfassung und dem äußeren Lampenkopf befindet sich ein Spalt. Durch diesen strömt bei Bewegung die Umgebungsluft und sorgt damit für entsprechende Kühlung, was in der Praxis hervorragend funktioniert.

Wiseled Tactical NG 009
Die Ladebuchse.

 

Wiseled Tactical NG 010
Die Lampe passt nur in einer Position in die Ladeschale. Ein Verpolen ist somit ausgeschlossen.

 

Wiseled Tactical NG 011
Während des Ladevorgangs leuchtet die Anzeige orange. Wenn das Akkupack zu 90 Prozent geladen ist, wechselt die Anzeige auf blau.

 

Wiseled Tactical NG 012
Feine Sache: Die Konvektionskühlung, von Wiseled „RamFlow cooling system“ genannt. Die Umgebungsluft strömt bei Bewegung durch die Spalte zwischen dem äußeren Ring des Lampenkopfs und der LED-Einheit und sorgt so für ausreichende Kühlung. Laut Hersteller reicht dafür bereits eine Geschwindigkeit von einem Meter pro Sekunde aus. Das schaffe sogar ich.


Bedienung:
Die gesamte Bedienung erfolgt über einen leichtgängigen Schalter, der seitlich unterhalb des Lampenkopfs angebracht ist. Einmaliges Drücken schaltet die Lampe ein. Hält man den Schalter anschließend gedrückt, durchläuft die Lampe die einzelnen Leuchtstufen. Wenn man die gewünschte Stufe erreicht hat, lässt man den Schalter los, und diese Stufe wird als Dauerlicht aktiviert. Die Lampe verfügt über Memory und schaltet in der Leuchtstufe ein, die vor dem letzten Ausschalten aktiviert war. Die Anzahl der Stufen kann programmiert werden (siehe weiter unten). Die Laufzeiten gibt Wiseled wie folgt an: 3.300 Lumen (100 Prozent) für 1:45 Stunden; 80 Prozent für 2:40 Stunden; 60 Prozent für 4:10 Stunden; 40 Prozent für 7:20 Stunden; 20 Prozent für 31:55 Stunden.
Darüber hinaus verfügt die Wiseled Tactical NG über einen SOS-Modus, der wie folgt aktiviert wird: Den Einschaltknopf viermal innerhalb von zwei Sekunden drücken. Die Anzeige am Tail leuchtet nun Orange. Nun muss der Knopf innerhalb von zwei Sekunden erneut gedrückt werden, dann blinkt die Lampe SOS.
Gegen unbeabsichtigtes Einschalten kann die Lampe ebenfalls gesichert werden: Ebenfalls den Knopf innerhalb von zwei Sekunden viermal drücken, warten, bis die Anzeige hinten von Blau auf Orange wechselt, dann den Knopf nochmal innerhalb von zwei Sekunden drücken.
Zum Entsperren muss der Knopf wiederum viermal innerhalb von zwei Sekunden gedrückt werden.
Die maximale Lumenangabe ist allerdings ein wenig hoch gegriffen. Selbst, wenn die LEDs weit über der Spezifikation betrieben würden, was bei einer qualitativ so hochwertigen Lampe wie der Tactical NG nicht der Fall sein dürfte/sollte, sind 3.300 Lumen utopisch. Der Bouncing-Test unterstreicht das. Auf höchster Stufe ist die Lampe sichtbar dunkler als die Fenix TK70, die mit 2.200 ANSI-Lumen angegeben ist und ein wenig dunkler als die Niteye Eye 30. Nun ist der Unterschied von ein- oder zweihundert Lumen in dieser Größenordnung mit dem Auge kaum wahrnehmbar. Aber vorsichtig geschätzt, dürften etwa 1.700 bis 1.900 Lumen die Lampe tatsächlich verlassen, wenn mich meine blinden Augen nicht völlig täuschen – also deutlich weniger, als vom Hersteller angegeben.

Wiseled Tactical NG 013
Die Schaltzentrale der Lampe.

Verschiedene Parameter können vom Benutzer selbst programmiert werden. Unter anderem die Anzahl der Leuchtstufen, die Strobefrequenz, ob die Lampe beim Erreichen einer bestimmten Temperatur herunterregelt, ob sie bei schwachen Akkus in eine dunklere Stufe wechselt, die Geschwindigkeit, mit der bei gedrücktem Schalter die Modu gewechselt werden sowie weitere Punkte, die keine Spielereien sind, sondern die Möglichkeiten der Lampe sinnvoll erweitern. Um die Programmierung vornehmen zu können, muss man sich auf der Wiseled-Seite im Internetz eine entsprechende Software herunterladen, und mithilfe des optional erhältlichen „Wireless USB IrDA flashlight connectors“ kann die Lampe über Infrarot mit dem Computer kommunizieren.
Während des Betriebs zeigen verschiedenfarbige LEDs hinten am Griffstück die verbleibende Kapazität des Akkupacks an. Dazu blinkt alle 7 Sekunden eine blaue oder orangefarbene LED. Zweimaliges Blinken der blauen LED signalisiert, dass die Kapazität zwischen 80 und 100 Prozent liegt. 4x Blau = 60-80%; 2x Orange = 40-60%; 4x Orange = 20-40%; Liegt die verbleibende Kapazität bei weniger als 20 Prozent, leuchtet die orangefarbene LED dauerhaft. Diese Anzeige ist im Praxisbetrieb sehr hilfreich, da man nach dem Kennenlernen der Lampe gut einschätzen kann, wie lange man noch in dieser oder jeder Stufe leuchten kann und wann es ratsam ist, in eine dunklere Stufe zu wechseln.
Beim Laufzeittest in der hellsten Stufe zeigte die Lampe nach 32 Minuten an, dass die Akkukapazität unter 80 Prozent gefallen war. Nach 57 Minuten signalisierte zweifaches rotes Blinken, dass weniger als 60 Prozent erreicht waren. Nach einer Stunde und 29 Minuten tat die Lampe durch viermaliges Blinken kund, dass weniger als 40 Prozent Restkapazität vorhanden waren. Nach 113 Minuten: kontinuierliches Leuchten der LED und Herunterschalten.
Im Gegensatz zu manch anderen Lampen, die die tatsächlich noch verfügbare Leistung eher grob „andeuten“, als darüber eine brauchbare Aussage zu liefern, ist die Anzeige der Wiseled rundum gelungen – zumal man automatisch alle sieben Sekunden über den Ladestand informiert wird – in meinen Augen genial gelöst. Hierfür vergebe ich eine Eins mit Sternchen!

Wiseled Tactical NG 014
Mit dem „Wireless USB IrDA flashlight connector“ kann die Lampe am Computer programmiert werden.

 

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Alle sieben Sekunden zeigt eine LED durch die Kombination aus Farbe/Anzahl der Blinksignale die Akkukapazität an. Eine gute Idee, die hervorragend umgesetzt wurde.


Beam:
Bedingt durch das Linsensystem besteht der Beam im Prinzip einzig aus einem großen Spot mit ein wenig Streulicht außen. Um es nicht falsch zu verstehen: Der Spot ist wirklich groß und leuchtet die Umgebung sehr gleichmäßig aus.

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„White-wall-beamshot“ der Wiseled Tactical NG.


Resümee:
Die Wiseled Tactical NG spielt qualitativ und konzeptionell zweifellos in der höchsten Liga. Das Kühlsystem ist schlicht und einfach genial und funktioniert hervorragend, wie auch die Regelung, die besser nicht sein könnte. Die Ladestandsanzeige ist eine nützliche Hilfe in der Praxis, deren Umsetzung für den Praxisbetrieb vortrefflich gelungen ist. Und die Programmiermöglichkeiten erweitern das Spektrum der Lampe bzw. die individuelle Anpassung an die persönlichen Bedürfnisse.
Dass die Kunststofflinsen nicht zusätzlich durch eine Glaslinse geschützt sind, ist wohl vernachlässigbar, da die Lampe ursprünglich als Tauchlampe konzipiert war und die Linsen dadurch, dass sie im Gehäuse versenkt sind, gut geschützt sind. Die Tatsache, dass die Lampe zum Wechseln des Akkupacks eingeschickt werden muss – auch, wenn das nur alle paar Jahre der Fall sein wird – ist für mich ein eindeutiger Nachteil, zumal dadurch für den Benutzer auch nicht die Möglichkeit besteht, den Ladestand der einzelnen Zellen zu kontrollieren. Die Lichtleistung ist ordentlich, aber meilenweit von der Herstellerangabe entfernt. Aktuelle Serienlampen mit drei XM-L-LEDs liefern gleichviel oder sogar mehr Licht als die Wiseled Tactical. Der absolute Horror ist die Anodisierung, die schon bei leichtem Kontakt mit harten Gegenständen leidet. Zwar ist die Lampe an fast allen Stellen mit Gummi oder Kunststoff überzogen, dennoch darf so etwas nicht sein. Wenn ich all diese Kriterien in die Waagschale liefert, bleibt unterm Strich eine wirklich tolle Lampe, die ich mit einem Verkaufspreis von 635 Euro (Stand: Mai 2012) allerdings dennoch für deutlich überteuert halte. Aber Spaß macht sie schon. Und zwar richtig viel! Weitere Infos finden sich auf der Herstellereite www.wiseled.com
Die Testlampe wurde freundlicherweise von ersecu aus dem Taschenlampen-Forum zur Verfügung gestellt. Wir kennen uns bisher nur über Beiträge im Forum und durch einige PNs. Es ist alles daher alles andere als selbstverständlich, mir eine solch teure Lampe „mal eben“ zum Testen zur Verfügung zu stellen. An dieser Stelle noch mal ganz herzlichen Dank dafür!

Wiseled Tactical NG 017
Größenvergleich. Von links: Wiseled Tactical NG, Microfire K3500R Warrior III, Niteye Eye 30, Solarforce L2.

 

Die Outdoor-Beamshots wurden mit einer Belichtungszeit von einer halben Sekunde bei Blende 4 und 800 ASA aufgenommen.

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Wiseled Tactical NG

 

Wiseled Tactical NG 019
Led Lenser X21R, 2/3 fokussiert

 

Wiseled Tactical NG 020
Niteye Eye 30

 

Wiseled Tactical NG 021
Fenix TK70

 

Wiseled Tactical NG 022
Microfire K3500R Warrior III

 

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